Montag, 11. August 2008

Bulgarianas Vorurteile, Teil 1 - die Landsleute


Kurze Kulturpause und ein bisschen Vorurteile.


Bevor wir nach Bulgarien gefahren sind, habe ich mich, ganz Zeitgemäß im Internet über das Hotel informiert. Also nicht die Seite des Hotels, sondern Bewertungen auf deutschsprachigen, bulgarischen und russischen Sites.

Also dachte ich, dass ich weiss was mich so erwartet. Und wer mich erwartet.

Dort angekommen habe ich ziemlich schnell begriffen wie es abläuft.
Morgens um 06:30 stehen die Familienväter auf, sprinten runter zu den Pools und belegen die Liegestühle mit den Handtüchern, gehen dann gemütlich Kaffee trinken und tun so, als ob sie eh nur Zeitungen holen wollten und einen Kaffee trinken wollten. Nationalität - gemischt. Ganz gegen meinen Erwartungen waren die Teams gleich verteilt - Bulgaren, Rumänen, Russen, Deutsche, Belgier und der Rest, der nicht identifizierbar war, weil mehrsprachig.
Alles verläuft normal bis es so ca. 11:30 wird. Eifrige Mütter laufen zu den Restaurants, beladen "minifuzziklane" (O-Ton Stilke) Teller mit Pommes Frites und Grillhendl und beginnen ihre Kinder rund um den- und im Pool zu jagen um zu füttern. Die Kinder, wahlweise in bunten Schwimmreifen mit Tierköpfen oder mir Schwimmflügel gekleidet strampeln kreischend davon.
Gefühlte 2 Stunden später werden sie gefangen und zwangsernährt gefüttert und werden mit den Vätern hinaufgeschickt. Die nicht so emanzipierten Mütter nehmen die Väter mit und die ganz folgsamen gehen alleine (also mit den Kindern) hinauf und die Männer bleiben am Pool.
Hier teilen sich die Gruppen. Die Mütter, die alleine am Pool geblieben sind beginnen mit anderen Kolleginnen die ausländischen Mitmenschen zu kommentieren, während sie dabei rauchen und Kaffee UND Cola gleichzeitig trinken. Die Väter, deren Frauen alleine nach oben gegangen sind werden schnell Brüder indem sie den Begriff "All Inclusive" alle Ehre machen. Den weiteren Ablauf des Nachmittags wird mit den Biergläsern im Pool besprochen.
Kurz nach 15:00 kommen die ausgeschlafenen Kinder und ihre jeweiligen Elternteile wieder hinunter. Man geht gemeinsam zu Kaffee und Kuchen Bar und beginnt erneuert mit dem beladen der Teller. Ich habe selten so viele Kuchenstücke auf so kleine Teller gesehen.
Wieder werden Kinder gejagt und gefüttert, dabei wissen die Mütter, dass es um Zeit geht - wenn sie nicht schnell genug sind, haben die Väter schon längst den Kuchen mit Bier runtergespült. Ich habe leider nicht herausfinden können wo dieser Drang der Bulgaren sich im Urlaub wie Arielle und Neptun aufzuführen- und zu fühlen herkommt. Ich bin davon überzeugt, dass es wenn es möglich wäre sie auch im Pool geschlafen hätten.
Die Animatoren, die wirklich nicht aufdringlich waren, sind nur nach der Strandlektüre gegangen - wer bulgarisch liest wird nicht angesprochen, weil er sich höchstens beschwert.
So zum Beispiel hatte ich das Vergnügen einen bulgarischen Mann am Pool brüllen zu hören, dass das Animationsteam gefälligst verschwinden soll, weil er Urlaub hat und für seine Ruhe bezahlt hat. Wir anderen hatten wahrscheinlich kein Urlaub und waren dienstlich dort.
Das Abendessen war nicht so besonders - der gleiche Kampf mit dem Essen, nur unter leichteren Bedingungen - die Kinder waren in den Hochstühlen festgeschnallt und konnten sich nur mit schnellen links-rechts Bewegungen wehren. Die Aufgabe der Mütter war es den richtigen Moment zu erwischen.
Hier möchte ich anmerken, dass natürlich nicht alle bulgarischen Gäste so waren, aber doch ein nicht unwesentlicher Teil, der mir eben aufgefallen ist.

Das paradoxe daran - als ich vor kurzem in ein bulgarisches Hotelbewertungsforum geschrieben habe, dass viele Eltern trotz Schilder (geschriebene und gezeichnete!), dass man das Essen nicht zu den Swimmingpools bringen darf, seelenruhig ihr Nachwuchs dort gefüttert haben, haben sich viele gewundert was ich eigentlich will, wenn man auf Urlaub ist, möchte man sich doch entspannen und sie würden auch ihre Kinder im und am Pool füttern. Also habe ich es mir doch nicht eingebildet.
Demnächst: Bulgarianas Vorurteile, Teil 2 - die Russen

8 Kommentare:

wortteufel hat gesagt…

Oh, schön :) Ich freu mich schon so auf die Deutschen :D

(Ist Urlaub am Pool nicht grausam? ;) Es könnte so schön sein, wenn die ganzen anderen nicht wären.)

Bulgariana hat gesagt…

Die Deutschen haben mich dieses Jahr sogar ein wenig enttäuscht. Fast vorbildhaft waren sie :-))

Ja, Urlaub am Pool ist tatsächlich grausam - Gott sei Dank waren Strand und Mehr 1/2 Meter entfernt. Man konnte immer ausweichen. Aber der echte Blogstoff war nur am Pool, deswegen habe ich mich aufgeopfert *g*

tyndra hat gesagt…

die österreichischen und deutschen väter sprinten genauso frühmorgens zu den liegen. hab ich selbst gesehen, in ägypten :)

Bulgariana hat gesagt…

Stimmt, die Konkurrenz war sehr gross

tyndra hat gesagt…

ich bin auf deine russen-spezifikation gespannt! :)

Bulgariana hat gesagt…

:-))

chiefjudy.com hat gesagt…

Sehr geil LOL!! Sind die Kinder und Eltern dann nicht irgendwann 10 Kilo schwerer wieder heimgerollt??

Bulgariana hat gesagt…

Ja, wir auch, obwohl wir nicht am und im Swimmingpool gegessen haben :-D